Der "Interstellar"-Soundtrack [SPOILER!!]

  • "Cooper, this is no time for caution!" - "Cooper, jetzt ist keine Zeit für Vorsicht!" - Wer dieses Zitat kennt, wird auch den Film "Interstellar" kennen und wahrscheinlich auch geschaut haben. Für mich ist dieser Sci-Fi-Film einer der besten Filme überhaupt, nicht nur wegen der Handlung oder der unglaublichen Visual Effects (VFX), nein auch wegen der Musik.


    Filme leben von ihrer Musik, egal ob Western-, Action-, Abenteuer-, Horrorfilme oder Science-Fiction, ohne die Musik würden diese ganz anders auf uns wirken: Der Unterhaltungsfaktor ist geringer und die Emotionen werden deutlich schlechter vermittelt. Obwohl es natürlich auch Szenen gibt, bei denen die Stille ein entscheidender Punkt ist. Übrigens: In "Interstellar" gibt auch so eine Szene, in der die Stille eine entscheidende Rolle spielt:


    Als der Wissenschaftler Dr. Mann versucht, sich Zugang zur Raumstation "Endurance" zu verschaffen,  um Cooper und Dr. Brandt abzuhängen, fliegt aufgrund des hohen Drucks ein Teil der Station auseinan- der. Die Szene wird aus einer undefinierten Position im Universum gezeigt, und wer sich etwas mit der Physik beschäftigt oder gut in der Schule aufgepasst hat, weiß, dass sich in einem Vakuum kein Schall ausbreiten kann. So kommt es zu dieser sehr stillen Szene, die auf den Zuschauer eine ganz dramatische Wirkung hat, was man vermutlich mit Musik nicht so gut geschafft hätte.


    Doch nun widmen wir uns den Szenen, die mit atmosphärischen Klängen der Streicher und dramatischen Orgeltönen ausgeschmückt sind.

    Die Grundtöne sind einfach: A(und F)-E, H(und G)-E, C(und A)-E, D(und H)-E. Doch durch die Ausschmückung der Begleitung, welche fabelhaft gelungen ist, wirkt alles viel emotionaler und ausdrucksvoller.

    Bestimmte Szenen wie z.B. "Cornfield Chase" werden mit der beschriebenen Melodie untermalt. Zwar spielt diese Szene nicht im Weltraum, sondern auf der Erde, aber sie gibt einen guten Eindruck auf die kommende Atmosphäre.

    Spannend wird es bei Szenen wie bei der Reise durch das Wurmloch und in der oben beschriebenen "Docking Scence". Nehmen wir doch mal die Wurmloch-Szene auseinander: Cooper und seine Crew reisen durch ein Wurmloch in der Nähe des Saturns, das sie zu einem unbekannten Ort mitten im interstellaren Raum führen soll. Das ist natürlich nicht ungefährlich, da so ein Wurmloch in der Theorie die Raumzeit sehr stark krümmt und zwei "Orte" miteinander verbindet. Es fungiert quasi als Abkürzung. Die Musik ist dabei entscheidend: Zu Beginn spielen einige Streicher und leiten das Geschehen ein, also das Raumschiff nähert sich dem Wurmloch. Dann setzt langsam und leise eine Orgel ein, die folglich immer lauter wird. Sie erreicht das Lautstärkemaximum, als das Raumschiff im Wurmloch drin ist. Danach setzt die Musik aus und man erlebt Cooper und seine Crew hilflos im Raumschiff, als sie durch das Wurmloch quasi gezogen werden. Durch die Orgel allein wird die Spannung nochmal kräftig aufgebaut. Die Streicher dienen super als Einstieg dafür.

    Die "Docking-Scene" wird, wie schon gesagt, durch eine kurze Stille eingeleitet. Dann folgt ein atmosphärischer Ton vom Synthesizer, der ein paar Sekunden später von einem Ticken und einem rhythmischen Paukenschlag begleitet wird. Als sich Cooper langsam an die sich schnell rotierende Raumstation nähert, setzen die Streicher und die Orgel ein. Der Soundtrack wird anfangs in Moll gespielt. Es kommt zu einem der bekanntesten und womöglich legendärsten Dialoge im Film:

    TARS: "Rotation: 67/68 Umdrehungen pro Minute." ("Endurance rotation is 67/68 RPM.")

    Cooper: "Ok, angleichen der Rotation mit den Bremsraketen!" ("Get ready to match our spin with the  retrothrusters!")

    TARS: "Das ist nicht möglich." ("It's not possible.")

    Cooper: "Nein, aber es ist notwendig." ("No, but it's necessary.")

    Nachdem Cooper es geschafft hat, sich der Station anzunähern, wird der Soundtrack um eine Sexte (sechs Ganztonschritte: von A-Moll zu F-Dur) erhöht. Das steigert nochmals die Intensität der Szene.

    Als Cooper und TARS auf gleicher Höhe mit der Raumstation und nun beim Andocken sind, was noch immer aufgrund der Rotation sehr schwierig ist, wird ein gleichmäßiges Ticken laut und die Streicher setzen alles in ihren Bogen und ihr Instrument rein, um einen kraftvolle Töne zu spielen.

    Beendet wird die Szene mit einem kräftigen, gleichbleibenden Ton der Orgel, der langsam immer lauter wird und somit die Streicher und das Ticken überdeckt.

    Für mich ist das ganz klar einer der besten Soundtracks überhaupt. Er heißt "No Time For Caution", falls ihn sich jemand anhören will. Die Szene könnt ihr euch hier auf Englisch anschauen.


    Hans Zimmer hat mit seinem "Interstellar"-Soundtrack ein Meisterwerk geschaffen. Es ist der allgemein sehr atmosphärische Klang, der nicht nur die Musik, sondern auch den Film besonders macht. Häufig wird ein gleichbleibender, meist tiefer Ton (Bordun) verwendet, um das zu verstärken.


    Wenn man sich den Soundtrack in seiner Freizeit anhört, wird man einfach in eine andere Welt hineingetragen. Ich beginne über sämtliche Theorien zu fantasieren, sei es auf das Universum oder auf uns Menschen bezogen. Jedes Mal, wenn ich über irgendeine Theorie etwas schreibe, dann höre ich den Soundtrack aus "Interstellar". Probiert es selbst aus! Macht euch den Soundtrack an, lehnt euch zurück und schließt die Augen. Lasst die Musik etwas auf euch wirken.


    Falls jemand das hier gelesen hat und "Interstellar" nicht geschaut haben sollte, auf Netflix kann man sich den Film anschauen. Nun, ihr seid ja jetzt schon etwas gespoilert wurden.


    Wie dem auch sei, was ist eure Meinung? Schreibt es mir!

    Twaxy ~ Vincent

    Teamleitung - Social Media


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