Warum "Gothic" eines der besten Spiele überhaupt ist

  • Jeder, der mich etwas kennt, weiß, dass die "Gothic"-Reihe meine absolute Lieblingsvideospielreihe ist ("ArcaniA" gehört nicht mit dazu! Das ist kacke!) Oft bekomme ich dabei die Frage, was das überhaupt für ein Spiel ist, und wenn sich nach dem Spiel erkundigt wird, fällt die Frage: "Was willst du denn mit dem alten Schinken aus 2001?" Deshalb möchte ich euch nun erzählen, warum "Gothic" ein Meisterwerk der RPG-Szene ist.


    Am 15. März 2001 brachte Piranha Bytes ein RPG raus, dass die Videospiel-Szene für eine lange Zeit prägen sollte - "Gothic". Doch irgendwie hat sich das RPG nicht so gut verkauft, zumindest auf internationaler Ebene. Während es in Deutschland und Osteuropa im sechsstelligen Bereich verkauft wurde, ist es in Amerika und dem Rest der Welt eher ein Nischenspiel. Doch was so mancher AAA-Titel wie "The Witcher 3" oder heutzutage kann, machte "Gothic" bereits 2001 vor:


    Jeder NPC, jedes Tier und jedes Monster hat seinen eigenen Tag-Nacht-Rhythmus. Während sich tagsüber die Menschen ihrer Arbeit widmen, oder sich auf dem Marktplatz tummeln, gehen sie am Abend in die Kneipe und genehmigen sich das ein oder andere Bier, rauchen ein bisschen Sumpfkraut oder kommen an einer Wasserpfeife runter. Danach legen sie sich schlafen und dann geht alles wieder von vorne los. Immer wieder kommt man an NPCs vorbei, die sich über was auch immer in der Welt unterhalten: "Der ist gerannt, als ob Beliar selbst hinter ihm her wäre.", "Ich hab da was anderes gehört!", "Ist doch wahr!", "Es wird noch lange nicht so heiß gegessen, wie es gekocht wird."

    Die Tiere und Monster verhalten sich fast so wie die Tiere im echten Leben. So macht der ein oder andere Wolf Jagd auf Scavenger, während diese Blutfliegen auseinandernehmen, andere Tiere genießen einfach die Flora und Fauna und entspannen sich in dieser, während sie den Mund voll Essen haben.

    Die Spielwelt wirkt einfach belebt. Jeder hat irgendwo seinen Platz im Dasein, so wie wir im echten Leben.


    Wer ein bisschen von der Story wegkommen und sich dem Alltag eines Buddlers (unterste Stufe in der Hierarchie in "Gothic") widmen will, schnappt sich ein Werkzeug und schlägt mit dem Hammer auf einen Holzbalken an einem brachial gebauten Holzhaus ein, zersägt einen unzersägbaren Baumstamm, macht es sich am Lagerfeuer gemütlich und brät sich ein bisschen Fleisch, oder man hilft beim Ankokeln eines Scavengers, indem man den Spieß über dem Feuer mehrmals umdreht. Wer sich wirklich wie ein Buddler fühlen will, macht sich in der Mine mit einer Spitzhacke zu schaffen und schürft das kostbare Erz.


    Viele Interaktionsmöglichkeiten gibt es auch mit den NPCs: Man kann zu jedem hingehen und ihn über die aktuelle Lage, wichtige Personen, Händler oder den Alltag ausfragen. Kommt es mal zu einer Streiterei macht man es untereinander in Form eines Kampfes aus. Ist der Kontrahent geschlagen, kann man sich seiner Waffe und seinem Inventar annehmen, ohne das irgendjemand rummeckert. Ob man die Person dann doch vielleicht noch tötet, ist einem IMMER selbst überlassen, auch wenn es der größte Erzfeind (im wahrsten Sinne des Wortes) ist.


    Verliert man selbst den Kampf, verliert man nicht nur sein Hab und Gut, sondern wird auch noch vom Gegner verspottet. Dann will man dem Gegner erst recht eins über die Rübe geben, doch man ist einfach zu schwach. Deshalb kann man bei bestimmten Lehrern seine Stärke und sein Geschick erhöhen. Die Welt in "Gothic" kennt nämlich keine Gnade. Entfernt man sich einmal zu sehr von seinem eigentlichen Weg, kommen Schattenläufer und Wargs auf einen zu. Diesen kann man am Anfang gar keinen Schaden machen, da man einfach zu schwach ist. Umso besser macht sich dann der Fortschritt bemerkbar, wenn man endlich stark genug ist.


    Wie es für ein RPG üblich ist, bekommt man sehr viele Quests. In den meisten Spielen gibt es genau einen Weg, diese zu erledigen. Doch in "Gothic" kann man diese auf unterschiedlichste Weise abschließen. Zumal das sogar Einfluss auf einen kleinen Teil des Spielverlaufs hat. Bei manchen Quests ist davon sogar die Belohnung abhängig. Das werdet ihr aber selbst mitbekommen.


    Wo wir schon beim Thema Quests sind: Wie bei jedem RPG gibt es unzählige Nebenquests, die man übrigens erfüllen sollte, um so viele EP wie möglich zu bekommen. Manche Charaktere sind dann so dreist, sie verprügeln dich sogar, wenn du die kleinste Nebenquest von ihnen nicht erfüllst. Das beschreibt die Lage im Minental wirklich sehr gut - jeder will über jedem stehen. Anfängern wird selten geholfen, sie werden erst recht ausgeschlachtet.

    Doch da kommt Diego ins Spiel. Diego ist einer der Schatten aus dem Alten Lager. Er hilft euch am Anfang bei der Orientierung und gibt euch noch einige nützliche Tipps. Zudem kann man bei ihm seine Stärke und sein Geschick verbessern. Worauf will ich hinaus? Auf den Anfang! Zu Beginn des Spiels wird man aufgrund einer Straftat in das Minental hineingeworfen und bekommt dazu noch einen wichtigen Auftrag. Man muss einen äußerst wichtigen Brief an den obersten Feuermagier überreichen. Doch das ist nicht einfach. Man muss sich hocharbeiten, eine gewisse Position erarbeiten. Man ist nicht der auserwählte, krasse Oberkiller, der alles zu beherrschen scheint. Man ist ein Niemand, ein Verbrecher, jemand der verachtet wird. Aus diesem Schlamassel muss man sich irgendwie retten. Das ist der Unterschied zu vielen anderen RPGs.


    "Gothic" ist ein Spiel, welches mich persönlich nicht unbedingt geprägt hat, aber es ist für mich eines der besten Spiele überhaupt. Im Genre RPG ist es sogar das Beste bisher. Da kam kein anderes Spiel soweit ran. Piranha Bytes hat hier wirklich ein Meisterwerk erschaffen. Das Spiel war einfach schlicht weg seiner Zeit voraus. Heute feiern sich einige Entwickler dafür, Features einzubringen, die "Gothic" schon vor 18 Jahren bot.


    Habt ihr noch Fragen zu dem Spiel? Immer her damit!