Trine 3: The Artifacts of Power

  • Pünktlich vor dem Release von „Trine 4: The Nightmare Prince“ habe ich „Trine 3: Artifacts of Power“ durchgespielt (das Review hat es aber leider nicht vor dem Release geschafft). Dieser Teil der „Trine“-Reihe des Entwicklers und Publishers Frozenbyte enthält erstmals eine Story, die in einer 3D-Welt spielt. Mit den Helden Amadeus, dem Zauberer, Zoya, der Diebin und Pontius, dem Ritter, schlagen wir uns durch eine fabelhafte Welt voller Monster und Kreaturen. Aber ob der dritte Teil an die ersten beiden herankommt, will ich nun in diesem Review klären.


    Umfang

    Wie in den ersten Teilen der „Trine“-Reihe ist die Story relativ kurzgehalten. Mit rund sechs Stunden ist man trotzdem gut bedient. Zu Beginn eines Kapitels gibt es eine kleine Geschichte, die von einem namenlosen Erzähler geleitet wird, dann steigt man ins Geschehen ein. Wie schon in den ersten beiden Teilen wurden zuerst die Charaktere mit einer lustigen Geschichte vorgestellt. Hat man diesen Teil durchgespielt, kann man in Level einsteigen, in denen einem alle drei Charaktere zur Verfügung stehen.

    Um ein neues Level freizuschalten, muss man nun kleine Dreiecke, sogenannte Trineecke, sammeln. Diese ersetzen die kleinen blauen Manakugeln. Zusätzlich schaltet man kleinere Level frei, die entweder eine kleine Nebengeschichte oder einen großen Kampf beinhalten. In diesen Leveln kann man auch Trineecke sammeln. Möchte man in einem Level unbedingt alle Trineecke in seinen Besitz bringen, kann man sogar ab unterschiedlichen Kapiteln das Level wiederholen, was mir persönlich sehr gut gefällt.

    Die Rätsel in den Levels sind teilweise für alle, manchmal nur für einen Charakter bestimmt. Meiner Meinung nach sind sie etwas leichter als in den Vorgängern, aber das ist jetzt nicht so schlimm.

    Doch es gibt einen ganz großen Kritikpunkt an „Trine 3“: Anders als in „Trine“ und „Trine 2“ gibt es hier keinen Skillbaum mehr, was mich persönlich ziemlich stört. Ich fand diesen nämlich sehr essenziell für die allgemeine „Trine“-Reihe. So kann Amadeus keine Planken oder schwebende Dreiecke mehr herbeizaubern und ist nur in der Lage, einen einzigen, immer gleich großen Würfel zu erschaffen.

    Doch dafür muss man nun mit Zoya geschickter umgehen. Mit ihrem Enterhaken kann sie nun nicht mehr nur von A nach B schwingen, sondern auch bestimmte Gegenstände und Mechanismen miteinander verbinden. So werden die Level teilweise ein bisschen kniffliger und umfangreicher in der Gestaltung. Aber es fehlt auch bei Zoya an bestimmten Eigenschaften, die es in den ersten beiden Teilen gegeben hatte: Die besonderen Pfeile zum Beispiel: Eispfeile, Feuerpfeile und Explosionspfeile fehlen komplett. Das hängt aber wieder mal mit dem Skillbaum zusammen.

    Pontius bleibt so ziemlich derselbe: Ein korpulenter, aber sehr kräftiger Ritter, der mit seinem Schild jeden Gegner wegrammen, gar töten, kann. Mit seinem Schwert ist er zudem perfekt für den Nahkampf gewappnet. Doch leider fehlt auch ihm ein Ausrüstungsgegenstand: der Hammer, mit dem er Felswände zerstören kann. Hier greift man übrigens auf einen Charge mit dem Schild zurück.


    Grafik

    Wie schon in den Vorgängern überzeugt Frozenbyte mit der grafischen Umsetzung ihres Plattformers. Nur diesmal sind die Welten nicht im 2.5D-, sondern im 3D-Stil gehalten. So ist es möglich, die Spielwelt etwas größer wirken zu lassen und dem Spieler mehr Freiraum zu geben. Zudem werden die Kämpfe etwas umfangreicher, da die Gegner nun nicht mehr von oben und der Seite, sondern von überall angreifen können.

    Die Gegner sind für das Jahr 2015 äußerst detailliert dargestellt und wurden zudem mit interessanten äußerlichen Eigenschaften ausgestattet. Allgemein die Charaktere haben, vor allem durch die 3D-Darstellung, an vielen Details gewonnen. Die Gesichter sind etwas klarer erkennbar und die Rüstung/Kleidung weist nun noch mehr Verzierungen und prächtigere Farben auf.

    Dasselbe gilt auch für die Level: Die einzelnen Level variieren in tausenden Farben. Mal ist es saftig grün und gelb, mal geht es ins herbstliche orange-braun und manchmal verschwindet man in lilafarbenen Welten. Das Level-Design hat sich durch den neuen Stil erheblich verändert. So gilt es nun, auch mal von oben nach unten, über mehrere Stufen, zu gleiten, oder mal unter den eigentlichen Levelrand zu schauen, um ein größeres Trineeck zu sammeln.

    Auch wenn die Level so unglaublich farbenprächtig sind, muss ich gestehen, dass die Designer hier einen kleinen Fehler gemacht haben: Es wurde manchmal mit dem Bloom-Effekt übertrieben, was dazu führte, dass mehr Licht als Natur zu sehen war.


    Spielspaß

    Durch die neue 3D-Gestaltung hat sich das Gameplay in meinen Augen drastisch verändert. Die Steuerung fühlt sich allgemein etwas schwammiger an, dafür sind die Kämpfe flüssiger, besser organisiert und vor allem deutlich spannender. Dafür musste ich ganz schön bei den Jump & Run Passagen leiden. Entweder ist meine Tiefenwahrnehmung für die Tonne, oder es hängt mit der Steuerung zusammen. Laut meinem Arzt sei alles völlig in Ordnung, also sollte es an der Steuerung liegen.

    Aber nicht nur bei den Jump & Run Passagen ist die Steuerung nicht die Beste, auch bei den Rätseln ist sie nicht gerade angenehm. Mit Amadeus zaubert man nicht mehr per Maus, sondern per Tastatur, was am Anfang für mich ziemlich verwirrend und leicht enttäuschend war, da nun der Würfel immer gleich groß ist; in den Vorgängern konnte man die Größe noch mit der Maus selbst bestimmen. Ebenso finde ich es schade, dass der Skillbaum weg ist, somit auch die ganzen besonderen Eigenschaften der Helden.

    Schön finde ich die kleinen Witze, die zwischendurch gebracht werden. Die lockern das Spielgeschehen auf und sind eine nette Abwechslung zu dem normalen Geschwafel (nicht negativ gemeint).

    Eine gute Abwechslung bieten aber auch die kleinen Bonus-Level. In denen kämpft man entweder mit einem Helden gegen unterschiedliche Wellen von Gegnern, oder man darf sich an einer kleinen Vor- bzw. Nebengeschichte erfreuen. In einer gibt es sogar eine schöne Anspielung an „Portal“.


    Musik

    Der OST aus „Trine 3“ ist mit rund 43 Minuten der Kürzeste von allen („Trine 4“ mit einbezogen). Die epische Musik wurde, wie auch bei allen anderen Teilen, von Ari Pulkkinen komponiert. Wer ihn nicht kennt, sollte auf jeden Fall noch mal „Angry Birds“ spielen! Der finnische Videospielmusik-Komponist hat hier mal wieder große Arbeit geleistet: Eine hervorragende Abwechslung von epischer Kampf- und ruhiger Erkundungsmusik. Pulkkinen arbeitet in allen Soundtracks mit denselben Instrumenten, zumindest im Grundgerüst. Ab und zu kommen dann auch mal neue Instrumente dazu. Im Großen und Ganzen kann ich mich hier gar nicht beschweren, und ich muss wieder einmal meinen Hut ziehen!

    Sound

    Die Synchronsprecher für „Trine 3” sind, soweit ich mich nicht verhört habe, dieselben wie in den beiden Vorgängern. Sie haben einfach so eine markante Stimme, die so gut zu den Charakteren passt.

    Was mich wundert, ich habe relativ wenig von der Umgebung gehört. Das finde ich immer ein bisschen schade, da hier die Musik alles allein machen muss. In Kombination mit ein paar Vogelzwitschereien würde das doch schon viel besser klingen.

    Dafür gibt es aber Sounds von etlichen Monstern, und diese klingen verdammt gut.


    Preis-Leistung

    Wenn man die Preise der ersten beiden Trine-Teile mit dem von „Trine 3“ vergleicht, finde ich 21,99€ für dieses Spiel ganz okay.


    Fazit

    Grafisch, bis auf den Bloom-Effekt, eine Meisterleistung, gameplaytechnisch mau, aber die Story an sich ist schön erzählt, was die Musik auf jeden Fall untermalt. Der dritte Teil ist insgesamt eher schwach und kommt für mich zumindest nicht an die ersten beiden Teile heran.


    Kurzfassung

    Umfang: 5/10

    Grafik: 9/10

    Spielspaß: 6/10

    Musik: 10/10

    Sound: 8/10

    Preis-Leistung: 8/10


    Endwertung: 67/100


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