The Witcher: Enhanced Edition Director's Cut

  • „The Witcher: Enhanced Edition Director’s Cut“ ist die überarbeitete Version des ersten Spiels von dem polnischen Entwicklerstudio CD PROJEKT RED. Die erste Auflage erschien europaweit am 26. Oktober 2007, die Zweite am 16. September 2008 auf Steam. Bei der sogenannten „Enhanced Edition“ wurden sämtliche Bugs behoben und alle Stimmen der Charaktere im Spiel wurden von neuen Synchronsprechern gesprochen. Entwickelt wurde „The Witcher“ mit der Aurora-Engine von BioWare, diese wurde aber für die Entstehung des RPGs sehr stark modifiziert.


    Umfang

    „The Witcher“ bietet eine ca. 30-35-stündige Story (Spielzeit kann stark variieren), in der man als Geralt von Riva, einem Hexer - umgangssprachlich Weißhaar -, mit Stahl- und Silberschwert durch eine eher angespannte Spielwelt wandert. Das Stahlschwert dient zum Bekämpfen von humanoiden Gegnern und das Silberschwert richtet sich gegen Monster. In der Hauptstory muss man sämtliche Konflikte lösen, Verschwörungen aufklären, Monster töten, seine eigene Persönlichkeit entdecken, Verbündete erschließen und Feinde ausmachen. Doch das ist gar nicht so einfach: Geralt von Riva wird im Prolog halbtot von anderen Hexern aufgefunden und nach Kaer Morhen gebracht. Da der Hexer Geralt an Amnesie leidet, muss er sich erst wieder an alles erinnern: Das Kämpfen, seine Freunde, seine Feinde, die ganzen Geschichten von früher.

    Vor all diesen ganzen Ereignissen hat der vernarbte Hexer eine Striege (eine verzauberte, tödliche Bestie; hier ist es die Tochter des Königs) von einem Fluch befreit. Das erfährt man in dem Intro, bevor man in das Hauptmenü gelangt. Ich habe die Bücher zwar nicht gelesen, aber laut vielen anderen Spielern kommt dieses Ereignis sogar in einem der von Andrzej Sapkowski geschriebenen Bücher vor – Andrzej ist der Autor der Hexer-Saga, bzw. Geralt-Saga. Auf dieser Saga basiert übrigens auch die ganze Geschichte, was aber nicht heißt, dass sie 1:1 übernommen wurde. Größtenteils wurden nur die Charaktere mit ihren Eigenschaften und ihrem beschriebenen Aussehen ins Spiel implementiert.

    Meiner Meinung nach ist der Einstieg in die Story sehr gut gelungen. Durch die Amnesie wird erklärt, warum Geralt ein Anfänger ist, obwohl ihm eigentlich das Ungeheuertöten liegt. Selbst die Zeichen (Aard, Igni, Quen, Yrden und Axii) hat der Hexer vergessen. Nach einer gewissen Zeit finden wir aber magische Steinkreise, an denen man diese wieder erlernen kann. Durch das Erledigen von Haupt- und Nebenquests wird Geralt immer erfahrener und stärker. Mithilfe von Bronze- Silber- und viel später auch Goldtalenten kann man die Stärke, Geschicklichkeit, Ausdauer, Intelligenz, die Zeichen und sämtliche Kampfstile verbessern.

    Das Kampfsystem ist in „The Witcher“ ein bisschen gewöhnungsbedürftig. In den meisten Rollenspielen schlägt man einmal pro Mausschlag und kann taktisch dem Gegner ausweichen. Hier schlägt man gleich mehrmals mit einem Mausklick. Für einen Kombo-Angriff muss man hierbei einfach nur den perfekten Moment für den nächsten Mausklick abwarten. Den gegnerischen Attacken kann man fast nie ausweichen, da die Attacke vom Gegner sozusagen schon ausgeführt wird, auch wenn er noch nicht zugeschlagen hat. Dasselbe passiert aber auch andersherum.

    Nichtsdestotrotz muss man sicher immer für den richtigen Kampfstil (stark, schnell oder Gruppenkampfstil) entscheiden. Denn einige Gegner können bestimmten Stilen ausweichen.

    Kleiner Fun-Fact: Die Kampfanimationen wurden von echten Schwertkämpfern mit Motion-Capturing aufgenommen und ins Spiel implementiert. So gibt es teilweise sonderbare Ausführungen einer Attacke, was mir extrem gut gefällt.

    Ist man weg vom Kämpfen, bewegt man sich mit Geralt durch die Weiten Temeriens und erledigt Quests. Diese bestehen meistens aus Ungeheuer töten, mit Leuten reden, Informationen weitergeben oder häutbare Gegenstände von Monstern an Kaufleute weitergeben.

    Aber es kommt auch zu wichtigen Entscheidungen. Diese können den Verlauf der „The Witcher“-Geschichte ändern. So gibt es drei unterschiedliche Enden, welche ich hier aber nicht auflisten werde.

    In der fiktiven Spielwelt gibt es sämtliche Pflanzen, Tiere, Monster, die man alle nur gut ausbeuten kann, wenn man die dazugehörigen Bücher gelesen hat. Diese kann man bei Kaufleuten erwerben oder in Häusern finden. Bei bestimmten Leuten kann man sogar eine kleine Pause einlegen und seine Orens (Währung im Spiel) in ein paar Runden Würfelpoker verspielen. Oder man hat ein bisschen Spaß mit den Frauen, indem man ein paar nette Gespräche führt, oder die Federung des Bettes austestet.


    Grafik

    CD PROJEKT RED ist heutzutage sehr bekannt dafür, eine gute Atmosphäre zu schaffen, egal ob mit der Musik oder mit der Grafik. Das war auch schon vor elf Jahren so. Jede Gegend, egal ob der Tempelbezirk in Wyzima, der Sumpf oder das Umland, CPR hat jedes Mal einen Weg gefunden, die Gegend schaurig, schön, traurig oder einfach nur malerisch darzustellen.

    Die erwähnte Atmosphäre wird zudem noch von den herumlaufenden NPCs verbessert. So wimmelt es im Armenviertel von Wyzima nur von Banditen, Schurken und Prostituierten, während es im Händlerviertel edle Kaufleute, Gaukler und Musikanten auf die Straße zieht. Ein weiteres schönes Detail: Die NPCs suchen im Regen nach einem Unterschlupf, und wenn dieser vorbeigezogen ist, gehen sie wieder ihrer alltäglichen Beschäftigung nach.

    Aber nicht nur die NPCs, sondern auch die spielrelevanten Hauptcharaktere haben ihre eigene Persönlichkeit und Art mit einem zu kommunizieren. So ist Triss Merigold eine wunderschöne und sehr begnadete Zauberin und Kalkstein ein verrückter Alchimist, der aber dem Spiel einen lustigen Charakter durch sein etwas komisches Auftreten bietet.

    Geralt selbst wird im ersten Teil der „The Witcher“-Reihe eher nach den Büchern empfunden: Kein Bart (bzw. nur Stoppeln), lange Haare und ein trainierter Körper, der eher schmal geformt ist. Hinzu kommen noch sämtliche Narben im Gesicht und selbstverständlich am Körper.

    Ich habe vorhin das Intro angesprochen, in dem Geralt gegen die tödliche Striege kämpft; diese sieht für das Jahr 2007/2008 unglaublich gut aus. Die Zwischensequenzen im Spiel wurden aber nicht wie das Intro mit einer vom Spiel unabhängigen Engine sondern mit der Game-Engine (Aurora) erstellt. So sehen die Animationen teilweise etwas verzögert und verbuggt aus. Auch abseits der Zwischensequenzen, also im normalen Spielverlauf, zeigt sich, dass die Laufanimation manchmal langsamer ist als der Hexer selbst. Das sieht dann manchmal ein wenig ulkig aus, aber CPR war damals noch relativ klein und vor allem das Jahr spielt hier eine entscheidende Rolle. Aber es gab auch noch andere Zwischensequenzen: kleine Artworks, untermalt mit der angenehm tiefen Stimme Geralts, die noch einmal kurz wiedergeben, was in den letzten Stunden passiert ist.

    Ebenfalls hatte CPR Ahnung, wie man Geralts Kampfanimationen richtig ins Spiel einbringt. Wie ich schon vorhin es kurz in einem Fun-Fact angedeutet hatte, wurden diese mithilfe eines Motion-Capturing-Verfahrens ins Spiel implementiert. Diese Bewegungsabläufe wurden von Experten für mittelalterliche Kampfkunsttechniken im Studio der metricminds GmbH in Frankfurt am Main aufgezeichnet. So gibt „The Witcher“ einen authentischen Kampf gegen Monster oder humanoide Gegner wieder.


    Spielspaß

    Durch die extrem gute Story hat „The Witcher“ einen gewissen Suchtfaktor bei mir entwickelt. Ich wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht. Die ganzen Wendungen in der Story machten das Spiel so unglaublich interessant, zumal man auch noch selbst bestimmen konnte, wie es ausgeht. Denn viele Dialoge enthielten Aussagen und Entscheidungen, die das ganze Spiel auf den Kopf stellen konnten. Am erstaunlichsten fand ich die Hauptquests wie „Alvin“ oder „Die Geheimnisse der Hexer“, die sich durch das gesamte Spiel wie ein roter Faden zogen. Eine wirklich erstaunlich gute Leistung von CPR!

    Interessant fand ich auch, dass teilweise die Nebenquests wichtige Informationen für die Story, bieten konnten, bzw. eine kleine Nebenhandlung mit einbauten. Beispiele will ich hier nicht nennen, ihr sollt diese schon für euch selbst herausfinden. :D

    Aber nicht nur die Story an sich war ein entscheidender Punkt, auch der Witz, den jeder Charakter mit sich brachte, war einer der Gründe, das Spiel mit gutem Gewissen weiterzuspielen. So kommt es zwischendurch immer wieder zu lustigen Dialogen und Sprüchen.

    Ab und zu hat man sich dann auch mal ein bisschen Alkohol eingeflößt, ist torkelnd durch die Taverne gestreift und hat im Vollrausch gegen NPCs oder relevantere Charaktere ein paar Runden Würfelpoker gespielt.

    Wollte man sich aus diesem Vollrausch befreien, wartete man ein paar Minütchen in Echtzeit ab, oder man fragte den Schwankwirt oder die Kellnerin, ob denn noch ein Zimmer frei sei. So konnte man für schlappe fünf Orens meditieren. Während dieser Meditation war es möglich Tränke herzustellen und die Bronze-, Silber- und Goldtalente zu verteilen. Was aber nicht so schön war, man konnte nur Meditieren, wenn man entweder diesem Prozedere folgt, oder ein Lagerfeuer findet, an dem man es sich gemütlich machen kann, sofern man einen Feuerstein bei sich hatte. Frei in der Wildnis meditieren war leider nicht möglich, was manchmal den Spielfluss unterbrach, weil man für eine bestimmte Quest eine bestimmte Tageszeit brauchte und dann erstmal Ewigkeiten nach einem Lagerfeuer suchen musste.


    Musik

    Der „The Witcher“-Soundtrack wurde von dem polnischen Komponisten Adam Skorupa und Pawel Blaszczak komponiert. Die beiden haben hier wirklich eine verdammt gute Arbeit geleistet. Die Atmosphäre, die für jede Gegend allein durch die Musik erzeugt wird, ist gewaltig. Im Tempelbezirk Wyzimas ist diese z.B. sehr düster, auf den freien Feldern im Umland fröhlich und angenehm, im Kampf mitreißend und dramatisch und in manchen Momenten traurig. Der Soundtrack besteht aus 29 OSTs und hat eine Länge von gut 73 Minuten, was bei einer Spiellänge von ca. 30-35 Stunden doch relativ viel ist. Ich persönlich würde bei dieser Musik schon von einem wirklichen Meisterwerk sprechen.


    Sound

    In der Original-Version von 2007 beklagten sich viele Spieler über die eher mäßige Synchronisation. In der „Enhanced Edition“ wurde diese also komplett überarbeitet. Man holte sich bekannte Sprecher wie Klaus-Dieter Klebsch (u.a. Sprecher von Thanos und Dr. Gregory House), der hier Vincent Meis und einen Zwerg vertonte, und Anja Stadlober (u.a. Sprecher von Mia Grey aus „Fifty Shades of Grey“), welche die Prinzessin Adda vertonte, ins Boot. Somit gewährte CPR eine hochklassige Synchronisation aller Charaktere.

    Wenn man in der Stadt herumläuft, wird man oft von NPCs mit Sprüchen wie: „Ihr habt keinen Grund hier zu sein, Weißhaar“ oder „Vergesst eure Stellung nicht, Hexer“ auf dumme Weise angemacht. Das soll zeigen, dass Hexer zum Großteil einfach verachtet werden, da sie ja so gesehen keine echten Menschen, sondern Mutanten sind. Die NPCs bieten aber auch noch weitere Sprüche und Dialoge mit anderen NPCs. Wenn es regnet sind die einen Bewohner immer zu tiefst erschüttert und beschweren sich, oder verdammen gar den Himmel, andere freuen sich sehr, dass sie z.B. ihre Blumen nicht mehr gießen müssen, oder die Wäsche der Nachbarin nass wird.

    Aber auch die Umwelt bietet eine große Sound Vielfalt. In der Ferne hört man Vögel zwitschern, Bäume rascheln oder durchaus auch das ein oder andere Monster, welches nach Frischfleisch schreit. Die Monster klingen zum Teil wirklich sehr furchteinflößend, sodass man manchmal doch eher Abstand von ihnen halten möchte, auch wenn es nicht immer funktioniert.

    Ich muss hier aber leider ansprechen, dass man einige Dialoge nicht hört. Ein Hoch auf die Untertitel! Ist leider ein bisschen schade, sonst wäre es wirklich perfekt gewesen.


    Preis-Leistung

    Für gerade einmal 7,99€ so ein tolles Spiel zu bekommen, ist wirklich unglaublich!


    Fazit

    CD PROJEKT RED erschuf 2007 mit „The Witcher“, bzw. 2008 mit der „Enhanced Edition“ etwas ganz Neues: Eine Welt, die von Drogen, Prostitution und Rassismus geprägt war. Die Atmosphäre, die CPR in das RPG einbaute, ist mitreißend, die Kämpfe wirken sehr authentisch, die Musik ist fast schon ein Meisterwerk. Nichtsdestotrotz gibt es kleinere Mankos, die das Spiel eben nicht ganz perfekt machen. Aber wer heute noch den Einstieg in die „The Witcher“-Serie sucht, der sollte sich sofort den ersten Teil holen und loslegen, da es für die Zeit einfach unglaublich gut war!


    Kurzfassung

    Umfang: 9/10

    Grafik: 8,5/10

    Spielspaß: 8,5/10

    Musik: 10/10

    Sound: 9/10

    Preis-Leistung: 10/10


    Endwertung: 91/100


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