• „Gothic 3“ ist der dritte Teil der „Gothic“-Serie, der die Story des namenlosen Helden und seinen Begleitern fortsetzt. Das Spiel wurde von Piranha Bytes entwickelt und von THQ Nordic (ehem. Nordic Games) am 13. Oktober 2006 zu einem Vollpreis (VP) von 9,99€ auf Steam veröffentlicht. In diesem Review möchte ich neben einer normalen Bewertung auch klären, ob „Gothic 3“ ein würdiger Nachfolger der anderen beiden „Gothic“ – Teile ist.


    Umfang

    „Gothic 3“ beinhaltet eine ca. 45-stündige Story, die natürlich von dem Spieler und seiner Vorgehensweise abhängt. Nicht wundern, warum ich 65 Stunden in dem Spiel habe – ich musste das Spiel nach ca. 20 Spielstunden neustarten, weil ich über einen Monat das Spiel aus gesundheitlichen Gründen nicht spielen konnte und somit aus der Story raus war. Man spielt wieder als namenloser Held, entweder im Kampf gegen die Orks (und Assassinen) oder mit den Orks gegen die Rebellen. Wobei man aber sagen muss, dass das eigentliche Ziel natürlich die Befreiung des Königreichs ist (Kampf gegen die Orks), da man sonst alle verrät, für die man in den vorherigen Teilen gekämpft hat.


    Was mir auf jeden Fall gefällt, und das war schon immer so in den „Gothic“ - Teilen, sind die vielen Interaktionsmöglichkeiten in der Welt. Es gibt sämtliche Pflanzen, die man ernten, viele Gegenstände, die man aufheben und viele andere Gegenstände (z.B. Bratspieß), die man bedienen kann. Es gibt eine Menge Pflanzen, Tiere, Monster, Tränke, Rezepte und Waffen, die das Spiel eben so umfangreich gestalten.


    Um in einer besetzten Stadt den Anführer (ein Ork oder Assassine) sprechen zu können, muss man einen Ruf von 75 Rufpunkten besitzen. Diese kann man sich durch zahlreiche Nebenquests und Arenakämpfe innerhalb der Stadt dazuverdienen. Außerdem erhält man bei einigen Quests Rufpunkte für eine Gilde/Reich (z.B. Rebellen, Nordmar, Waldvolk [Druiden] oder Assassinen), die sich auf den Spielverlauf minimal auswirkt. So kann man sich bei den Rebellen erst die oberste Rüstung kaufen, wenn man 50 Rufpunkte besitzt. Dasselbe gilt bei den Orks.


    Was für mich schon immer so besonders an „Gothic“ war, ist der Tag-Nacht-Zyklus (mit unterschiedlichen Wettereffekten) und der allgemeine Biorhythmus von Tieren und Menschen. Tiere und Menschen legen sich in der Nacht schlafen und gehen am Tag jagen.


    Eine Neuerung ist das Skillsystem: Man erhält zwar noch immer für jedes Level 10 Lernpunkte, die man in Stärke, Ausdauer – die übrigens neu ist – Mana, Jagdgeschick, usw. investieren, aber diesmal gibt es auch besondere Fähigkeiten. Diese Fähigkeiten kann man erst erlernen, wenn man einen bestimmten Wert in einem bestimmten Feld (z.B. 200 Stärke) erreicht hat. Außerdem kann man jede Fähigkeit nicht von jedem Lehrer erlernen; den Kampf mit zwei Klingen z.B. kann man nur bei den Assassinen erlernen, da sie auch die einzigen sind, die diese benutzen.


    Eine weitere Fähigkeit ist das Schlösserknacken. Man kann bei den Dieben erlernen, wie man schwere und unmögliche Schlösser knacken kann - was ich übrigens empfehle, so schnell wie möglich zu erlernen, da die damit verbundenen Kisten extrem viel und guten Loot hergeben. Das ist zwar schön und gut, aber ich vermisse etwas: das manuelle Schlösserknacken.


    Zur Erklärung: In den alten „Gothic“ – Teilen konnte man mit dem Drücken der linken und rechten Bewegungstasten das Schloss selber knacken, in dem man eine bestimmte Reihenfolge abdrückt. Das wurde in „Gothic 3“ entfernt, was ich persönlich ziemlich schade finde, da ich es sehr cool fand.


    Außerdem wurde auch das Tagebuch entfernt, welches nun durch einen etwas komplizierteren Questlog ersetzt wurde. Ich fand das damalige System mit dem Tagebuch und den darin eingetragenen Quests viel einfacher und es hatte auch meiner Meinung nach mehr Charme.


    Was mir dafür aber gefällt, ist die schon vorhin kurz erwähnte Vielzahl an Nebenquests, die trotzdem irgendwie wichtig sind. Ich habe die Anzahl jetzt nicht durchgezählt, schätze aber einfach mal, dass es um die 250+ Quests gibt, die mal kleiner und mal größer sind.


    So eine große Anzahl folgt auch von der sehr großen Map, die in „Gothic 3“ vorhanden ist. Es gibt insgesamt drei Regionen: das Mittelland Myrtana, die Wüste Varant und die Eiswüste Nordmar.


    Neben einer neuen Grafik, auf die ich gleich zu sprechen komme, hat Piranha Bytes auch etwas an der Physik verändert. Ein besonderes Merkmal, was eher so meh, aber trotzdem lustig ist, ist das extreme Wegfliegen von Tieren, Menschen, Orks oder Sonstigem, wenn es getötet wird. Ein Huhn z.B. fliegt beim Tod mehrere Meter hoch, als wöllte es in die Erdumlaufbahn fliegen.


    Dafür gefallen mir wiederum einige Neuerungen: Man kann nun vergiftet werden und Krankheiten bekommen. Wenn man sich nicht geschützt hat, verliert man in der Eiswüste Nordmar und in der Sandwüste Varant sehr schnell Ausdauer und bekommt nur wenig zurück.


    Grafik

    Die Entwickler von „Gothic 3“ setzten in diesem Teil mal wieder auf eine eigene Grafikengine namens „Genome Engine“, die auf Basis von DirectX 9 komplexe Licht- und Schattenanimationen hervorbringen konnte. Dementsprechend gut sehen auch die Lichteffekte in „Gothic 3“ aus, zumindest für das Jahr 2006. Auch die Umwelt ist nun viel belebter, der Wind spielt eine aktive Rolle und alles ist viel farbenfroher gestaltet.


    Auch das Charakterdesign kann sich sehen lassen, aber Leute, WAS ZUR HÖLLE HABT IHR MIT MILTEN GEMACHT?! Also, wenn ich mir Milten aus den vorherigen Teilen anschaue, sieht er ja noch ganz gut aus, aber in „Gothic 3“ sieht er so aus, als hätte er mehrere Schuhe ins Gesicht geworfen bekommen. Nichtsdestotrotz sehen alle anderen Charaktere sehr gut aus. Wer aufmerksam war, hat auch eine grafische Veränderung bei einigen Tieren und Monstern mitbekommen. Die Scavenger sind nun nicht mehr blau (1. Teil), sondern orange-braun und weiß; die Wargs sind nun nicht mehr schwarz (erster und zweiter Teil), sondern sehen aus wie Schakale.


    Am meisten gefällt mir aber das Design der drei unterschiedlichen Regionen Myrtana, Nordmar und Varant: Myrtana ist das Mittelland, also grün, mit vielen Pflanzen und die Städte liegen nicht allzu weit auseinander. Nordmar ist der nördliche Teil der Welt, der von Schnee, Eis und tiefen Schluchten gekennzeichnet ist. Auch hier liegen die Städte relativ nah beieinander. Die Wüste Varant besteht aus Sand und vielen Dünen. Die Städte sind teilweise sehr weit auseinander (Braga -> Mora Sul oder Braga -> Ishtar).


    Was mir persönlich aber nicht so gut gefällt, ist das neue Interface und die Schrift. Die Schrift ist meiner Meinung nach teilweise zu klein und unleserlich, und ich bin ehrlich, ich fand die alte Schrift besser. Das Interface ist meiner Meinung nach etwas unübersichtlich und auch sehr gewöhnungsbedürftig.


    Außerdem gibt es so einige Grafikbugs – Menschen verschwinden einfach mal in einer Bergwand, Objekte fallen durch die Welt oder sie glitchen sich einfach ins Nevada.


    Spielspaß

    Vorerst muss ich sagen, dass ich „Gothic 3“ nicht mit meiner Maus spielen konnte, was aber wahrscheinlich mit der neuen Technik dieser und der alten Technik der Engine zusammenhängen kann.


    „Gothic 3“ macht vor allem durch die zahlreichen, unterschiedlichen Quests sehr viel Spaß. Es gibt eine perfekte Abwechslung aus Kampf, Expedition und dem einfachen Genießen der Natur, was vor allem mit der Musik besonders viel guten Eindruck hinterlässt.


    Das Kampfsystem hingegen hinterlässt eher weniger guten Eindruck. Während das Kampfsystem in den älteren „Gothic“ – Teilen noch OK bis gut war, ist das hier einfach nur Müll. Man attackiert einen Ork, ein anderer hat eine Armbrust oder ist ein Schamane – man wird von einem der beiden getroffen und der Kampffluss wird komplett unterbrochen. Man bekommt folglich gefühlt 1000 Schläge von allen Seiten, wo die Orks stehen und kann sich nicht wehren oder wegbewegen. Das ist einfach nur frustrierend, weshalb ich teilweise die Schwierigkeitsstufe auf „Einfach“ stellen musste.


    Was außerdem sehr nervig werden konnte, waren die Mikrolags, die immer mal wieder im Laufe des Spiels auftauchten. Das Spiel ist von 2006 und deshalb sollten solche Mikrolags eigentlich nicht bei einem PC aus dem Jahr 2014/2015 auftreten.


    Ein weiteres, sehr kritisches Problem war das Verschwinden von Menschen, denen man folgen sollte. Man lief hinter ihnen her und schwupps, sie sind in einer Bergwand für immer verschwunden. Wenn man dann nicht zwischendurch gespeichert hat, konnte man den ganzen Weg noch einmal ablaufen, was wirklich sehr ätzend werden konnte.


    Musik

    Zum ersten Mal wurde in einem „Gothic“ – Teil ein echtes Orchester, die Bochumer Symphoniker, verwendet. Der Komponist der Musik war, wie in den Vorgängern, Kai Rosenkranz, der hier wirklich unglaublich gute Arbeit leistete. Die Musik passt sich der gerade stattfindenden Situation an, wobei ich leider ein kleines bisschen von der Kampfmusik enttäuscht bin, die wirklich sehr repetitiv ist. Ich glaube, es gibt nur drei Kampflieder, wovon eins sehr sehr sehr häufig vorkommt. Dafür sind aber Lieder wie „Vista Point“ oder „Northmar Expedition“ einfach nur wahre Meisterwerke, die ich nun vermutlich nie aus meinem Kopf herausbekommen werde.


    Sound

    Auch in diesem Teil sind wieder alte, bekannte Stimmen wie die von Bodo Henkel (Xardas) und Christian Wewerka (Namenlose Held) vertreten. Diese unverkennbaren Stimmen machen einfach die „Gothic“ – Reihe aus, weshalb ich es gut finde, sie wieder dabeizuhaben. Was mir hier sehr gut gefällt, ist allgemein die Sprachausgabe: Es werden Wörter wie „H*rens*hn“, „Arschl*ch“ und andere Beleidigungen verwendet.


    Die Umgebungsgeräusche sind wirklich sehr gut, ebenso die neuen Tier- und Monsterlaute (Scavenger, Wolf, usw.) Auch die Orks sind jetzt in der Lage zu sprechen. Sie haben eine raue, kalte und tiefe Stimme, die wirklich sehr eindrucksvoll und teilweise auch bedrohlich klingt, was mir äußerst gut gefällt.


    Was ein bisschen komisch ist, sind die Geräusche von Menschen oder Orks, wenn sie von Waffen getroffen werden. Wenn sie häufig hintereinander getroffen werden, bricht die eine Audio sofort ab und eine neue startet, was sich dann teilweise sehr komisch anhört.


    Preis-Leistung

    Für einen VP von 9,99€ habe ich an „Gothic 3“ nichts auszusetzen.


    Fazit

    „Gothic 3“ – ich würde es mal eine „schwierige Geburt“ nennen. Es ist im Umfang, in der Musik und teilweise in der Grafik sehr überzeugend. Das Ende von „Gothic 3“ war meiner Meinung nach ein wenig lau und war für mich nicht wirklich ein würdiges Ende einer Reihe (Arcania: Gothic 4 ist eine neue Story, weshalb ich das hier mal nicht dazuzähle). Trotzdem muss ich sagen, dass dieser Teil ein ehrenvoller Nachfolger der alten „Gothic“ – Teile ist, weil die Umgebung, die Musik und die Charaktere einfach so erhalten wurden, wie sie in den alten Teilen waren.


    Kurzfassung

    Umfang: 9/10

    Grafik: 7/10

    Spielspaß: 5/10

    Musik: 8,5/10

    Sound: 9/10

    Preis-Leistung: 10/10


    Note: 2-


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